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| Der kleine Darwin. Alles, was man über Evolution wissen sollte.
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Interessant und kurzweilig. Und dennoch...
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Der kleine Darwin. Alles, was man über Evolution wissen sollte. (Broschiert) Das Buch ist sehr leicht zu lesen. Es gibt einen interessanten und kurzweiligen Überblick über das Leben Darwins, den Weg zu seiner Entdeckung, wesentliche Schlüsselbegriffe der Evolutionstheorie, moderne Weiterentwicklungen wie Genetik, Evo-Devo, Evolutionäre Erkenntnistheorie und verschiedene begriffliche Abgrenzungen (z. B. Lamarckismus versus Darwinismus). Im letzten Kapitel sind dann noch der Mensch und dessen Kultur das Thema.
Besonders gut haben mir die Abschnitte "Die Gene und ihre Dynamik" und "Evo-Devo" gefallen, in denen neueste Forschung zur Sprache kommt, und in denen Fischer auf wenigen Seiten den Sachverhalt erklärt, der auch das Thema von Bauers Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus ist, nur dass Fischer damit keinen Abschied vom Darwinismus in Verbindung bringt. Im "Evo-Devo"-Abschnitt hätte ich mir gewünscht, dass die angebliche Kreativität des Genoms noch etwas ausführlicher erklärt worden wäre.
Ebenfalls gut haben mir die Abschnitte "Die physiologische Frühgeburt" und "Familienleben" des Mensch-Kapitels gefallen, in denen Erscheinungen wie feste Paarbeziehungen und Familie biologisch begründet werden. Fischers Resümee (163): "Die Familie ist eine biologisch begründete Tatsache, deren Zustandekommen im evolutionären Kontext verstanden werden kann."
Allerdings sind mir auch einige Dinge aufgefallen, die ich weniger optimal gelöst fand, bzw. die m. E. sogar nicht ganz korrekt sind.
Auch dieses Buch erklärt leider nicht, was denn nun eigentlich die Evolutionstheorie genau ist. Konkret: Ich vermisste einen Abschnitt mit dem Titel: "Die Darwinsche Evolutionstheorie".
Dies drückt sich dann auch in den Details aus, zum Beispiel beim für die Evolutionstheorie so wichtigen Fitness-Begriff. So erläutert Fischer zunächst (84), dass die Formel des "Überleben des Tüchtigsten" wohl eine Tautologie sei, weil mit dem Tüchtigsten der Überlebensfähigste gemeint sei, es hierbei also lediglich um ein "Überleben des Überlebensfähigsten" ginge. Er zieht sich deshalb auf das zurück, (85) "was ursprünglich mit diesem Begriff [Fitness] gemeint war und in der Evolution zählt", nämlich die Rate der Reproduktion beziehungsweise der Vermehrungserfolg.
Genau dies würde aber aus der natürlichen Selektion (fittere Individuen hinterlassen mehr Nachkommen als weniger fitte) weiterhin eine Tautologie machen. Und so schreibt denn auch das englische Wikipedia richtigerweise dazu: "The phrase 'survival of the fittest' is sometimes misunderstood to simply mean 'survival of those who are better equipped for surviving,' which is a tautology. What Darwin meant was 'better adapted for immediate, local environment', tracking changing environments by differential preservation of organisms better adapted to live in them. The theory is not tautological as it contains an independent criterion of fitness."
Fitness muss deshalb - wie Manfred Eigen in Stufen zum Leben anmerkte - unabhängig von Populationszahlen definiert werden. Fitness kann nicht mit Reproduktionserfolg gleichgesetzt werden.
Problematisch sind m. E. auch die Erklärungen zum Altruismus auf den Folgeseiten und zum Sozialverhalten von Insekten. Es ist richtig, dass man das Sozialverhalten von Ameisen durchaus mittels der Sippenselektion (Verwandtenselektion) erklären kann (88). Mitchell betont aber in Komplexitäten, dass diese Erklärung für Bienenstaaten kaum mehr schlüssig ist. Die von Fischer gegebenen Beispiele zum Altruismus mögen zwar gleichfalls mit der Sippenselektion erklärbar sein (87), jedoch handelt es sich dabei keineswegs um echten Altruismus. Solcher scheint nur in getrenntgeschlechtlichen Populationen vorteilhaft zu sein, wie die Arbeiten von Zahavi und Mersch nahe legen. Die Rolle der Sexualität wird in diesem Zusammenhang aber erst gar nicht diskutiert.
Erstaunlich auch Unrichtigkeiten wie die folgende (88): "Bekanntlich gibt es bei Bienen die Drohnen, die zwar arbeiten, sich aber nicht selbst fortpflanzen." In Wirklichkeit sind Drohnen männliche Bienen, die die meiste Zeit ihres Lebens recht untätig im Bienenstock herumsitzen und sich füttern lassen. Einmal in ihrem kurzen Leben versuchen sie eine Königin zu begatten. Danach sterben sie dann auch schon. Fischer meint an dieser Stelle wohl die Arbeiterinnen, und das sind Weibchen.
Nicht beantwortet wird die Frage "Warum gibt es überhaupt Sex?" (138), jedenfalls im Vergleich zu dem, was etwa Mersch dazu zusammengetragen hat. Und auch zum Infantizid bei den Löwen gibt es plausiblere Erklärungen als ausgerechnet die Theorie der egoistischen Gene.
Sehr problematisch sind m. E. die Ausführungen zum Thema "Frauen und Männer", denn hier werden die geringeren beruflichen Chancen von Frauen vorwiegend psychologisch begründet (geringeres Selbstvertrauen etc.). Modernere evolutionstheoretische Begründungen wie die unterschiedliche Chromosomenausstattung (XY vs. XX) der Geschlechter und die damit verbundene stärkere Extremität des männlichen Geschlechts (z. B. haben sehr viel mehr Männer eine sehr hohe oder eine sehr niedrige Intelligenz als Frauen) kommen erst gar nicht zur Sprache.
Verblüffenderweise heißt es dann sogar (174): "Das mangelnde Selbstvertrauen von Mädchen fördert unsere Gesellschaft dadurch, wie empirisch vielfach belegt werden konnte, dass Jungen sowohl im Kindergarten als auch in der Schule mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als den Mädchen - was unter anderem dadurch zustande kommt, dass sich Knaben auch dann melden, wenn sie eigentlich nichts zu sagen haben."
Dabei hat sich längst allgemein - bis in die Ministerien hinein - herumgesprochen, dass mittlerweile ganz klar die Jungen im Schulsystem benachteiligt werden. Der unterschiedliche Schulerfolg von Jungen und Mädchen spricht eine klare Sprache.
Fazit: Ein gut lesbares, interessantes Buch, welches leider aber auch einige Schwächen aufweist, und zwar insbesondere dann, wenn es sich vom eigentlichen Thema entfernt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Februar 2009 | | |
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