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Gene und Meme
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Dawkins führte vor über 30 Jahren eine radikal neue und provokante Idee in die Vererbungslehre ein: die Vorstellung, dass sich Gene, also nach klassischer Sicht leblose Moleküle, pflanzlicher oder tierischer (menschlicher) Körper, von ihm so genannte 'Überlebensmaschinen', bedienen, um sich im Sinne der Darwinschen Selektion durchzusetzen. Diese Theorie wird von Dawkins mit zahlreichen Beispielen aus Flora und vorwiegend Fauna unterfüttert. Dabei wirkt er in der Jubiläumsausgabe seines locker, aber oftmals langatmig geschriebenen Buches einleuchtend, dogmatisch und weiterhin von sich überzeugt, trotz der neuesten Erkenntnisse, insbesondere im Bereich der Epigenetik. Joachim Bauer hat ihn und Darwin in 'Das kooperative Gen' eindrucksvoll auf den Prüfstand gestellt.

Bemerkenswerterweise hat Dawkins im Kapitel 'Krieg der Geschlechter' (S. 266f) selbst einen interessanten Hinweis auf eine Lücke in seiner Argumentationskette geliefert: »Es gibt ... Arten, bei denen das Männchen mehr für die Pflege der Jungen tut als das Weibchen. Bei Vögeln und Säugetieren sind diese Fälle väterlicher Aufopferung außerordentlich rar, aber unter den Fischen sind sie weit verbreitet. Warum? Diese Frage ist eine Herausforderung an die Theorie des egoistischen Gens. ... Eine geniale Lösung ist mir vor kurzem ... von Tamsin R. Carlisle vorgeschlagen worden.« Dawkins beschreibt anschließend Carlisles hilfreiche Lösung ausführlich. Er weist jedoch nur in den Anmerkungen (S. 467) ganz dezent darauf hin, dass »Carlisles Hypothese durch Mark Ridleys Arbeit nicht bestätigt« werden konnte. Wobei Dawkins Ridleys Arbeit als »erstaunlichen Kraftakt« charakterisiert. Die nach eigenen Aussagen enormen (negativen) Auswirkungen auf seine eigene Theorie ignoriert er aber völlig.

Darüber hinaus bleiben Dawkins schwammige Definition des Gens und seine unklare Meme-Theorie kritikwürdig. Die Bedeutung der Telomere wird nicht betrachtet. Intelligenz berücksichtigt Dawkins ebenfalls nicht. So bleibt die Frage, inwieweit die Gene über sich selbst reflektieren, nach dem Sinn ihres Daseins fragen, wie wir Menschen das hin und wieder tun, unbeantwortet.
Eine Rezension von Mimir >
vom 11. Juni 2010
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